
Foto: Michael Kromat
Lehmputz-Systeme: Unterputz, Oberputz und Feinputz
In diesem Artikel erklären wir:
- Welche Rolle Unterputz, Oberputz und Feinputz in einem Lehmputz-System spielen
- Wie Sie die richtigen Produkte für Ihr Projekt auswählen
- Worauf Sie bei der Verarbeitung achten müssen – und wo die Grenzen von Lehmputz liegen
Warum Lehmputz? Vorteile und Grenzen im Überblick
Lehmputz überzeugt durch seine natürlichen Eigenschaften, die ihn von konventionellen Baustoffen wie Gips oder Zement abheben. Doch wer seine Vorteile nutzen will, muss auch seine Grenzen kennen.
Die Vorteile von Lehmputz
- Gesundes Raumklima: Lehmputz reguliert die Luftfeuchtigkeit aktiv: Er nimmt überschüssige Feuchtigkeit auf und gibt sie bei trockener Luft wieder ab. Das beugt Schimmelbildung vor und schafft ein angenehmes Wohnklima – besonders wichtig in Schlafzimmern, Kinderzimmern oder Büros. Studien zeigen, dass Lehmputz die relative Luftfeuchtigkeit in Räumen auf 40–60 % stabilisieren kann.
- Schadstofffreiheit und Wohngesundheit: Hochwertige Lehmputze wie die von conluto sind frei von künstlichen Zusatzstoffen wie Acrylaten, Topfkonservierern oder Weichmachern. Das macht sie ideal für Allergiker und Menschen mit empfindlichen Atemwegen. Zudem ist Lehm elektrostatisch neutral und bindet Gerüche – ein Pluspunkt für Innenräume.
- Nachhaltigkeit und CO₂-Bilanz: Lehmputz spart im Vergleich zu zementären Putzen bis zu 90 % CO₂ ein. Denn Lehm wird nicht gebrannt, sondern lediglich getrocknet. Zudem sind die Rohstoffe regional verfügbar, was Transportemissionen reduziert. Am Ende seiner Lebensdauer lässt sich Lehmputz einfach wiederverwenden – ein geschlossener Kreislauf.
- Brandschutz und Langlebigkeit: Lehm ist nicht brennbar (Baustoffklasse A1) und eignet sich daher auch für Brandschutzanforderungen. Bei richtiger Verarbeitung ist Lehmputz extrem robust: Historische Fachwerkhäuser beweisen, dass Lehmputz Jahrhunderte überdauern kann.
Die Grenzen von Lehmputz
Lehmputz ist nicht für jeden Einsatzbereich geeignet. Beachten Sie folgende Einschränkungen:
- Frostempfindlichkeit: Lehmputz sollte nicht in dauerhaften Feuchtbereichen (Dusche, Waschtisch) oder frostgefährdeten Außenbereichen eingesetzt werden. Für Außenwände sind spezielle Schutzschichten (z. B. Kalkputz) oder konstruktiver Wetterschutz erforderlich.
- Mechanische Belastbarkeit: Während Lehmputz Druckbelastungen gut standhält, ist er weniger widerstandsfähig gegen starke Stöße oder Abrieb. In stark frequentierten Bereichen (z. B. Fluren) empfiehlt sich ein widerstandsfähiger Oberputz oder eine zusätzliche Beschichtung.
- Trocknungszeiten: Lehmputz trocknet langsamer als Gipsputz – besonders bei hoher Luftfeuchtigkeit oder niedrigen Temperaturen. Planen Sie ausreichend Zeit ein.
Die 3 Schichten eines Lehmputz-Systems
Ein professionelles Lehmputz-System besteht in der Regel aus drei Schichten, die aufeinander abgestimmt sein müssen. Jede Schicht erfüllt spezifische Funktionen – von der Stabilisierung des Untergrunds bis zur finalen Oberflächengestaltung.
1. Lehm-Unterputz: Die Basis für Stabilität
Aufgabe: Der Unterputz gleicht Unebenheiten aus, schafft eine ebene Oberfläche und dient als Haftgrund für die folgenden Schichten.
Bei historischen Gebäuden oder Fachwerkhäusern sorgt er zudem für die Stabilität der Gefache. Der Lehm-Unterputz verbindet sich fest mit dem Holz und Gefacheausfüllungen (Lehmsteinen) und trägt so dazu bei, die Ausfachungen zu fixieren. Die bereits oben angesprochene Feuchteregulierung spielt auch hier eine wichtige Rolle. Sie entzieht dem Holz Feuchtigkeit und beugt somit Fäulnis und Schädlingsbefall vor.
Eigenschaften:
- Körnung: 0–2 mm, um große Unebenheiten im Untergrund auszugleichen oder einen einheitlichen Putzgrund zu schaffen
- Schichtdicke: 5–30 mm in einer Lage
- Anwendung: Installationen wie Elektrokabel oder Heizungsrohe werden mit dieser Putzlage überputzt. Bei Holzfaserdämmplatten/Dämmplatten wird Lehm-Unterputz sowohl als Ausgleichs- und Klebeschicht als auch für erste Putzlagen eingesetzt. Er dient dort, wo ein zweilagiger Verputz verlangt wird, als Putzuntergrund für Lehm-Oberputz oder Lehm-Feinputz. Als Untergrund für Lehm-Edelputz ist er nur einsetzbar, wenn die Oberflächenqualität Q2 entspricht. Dieser Aufbau erfordert viel Erfahrung und ist für Ungeübte nicht zu empfehlen.
Praxistipp:
- Vor dem Auftragen des Unterputzes den Untergrund sorgfältig auf Haftungsprobleme oder Verunreinigungen prüfen und den Untergrund ggf. vor dem Aufputzen vorbenetzen, um ein bessere Haftung zu erzielen. Bei stark saugenden Untergründen (z. B. Lehmsteine) eine Lehm-Grundierung auftragen, um die Haftung zu verbessern.
2. Lehm-Oberputz: Gestaltung und Feuchteregulierung
Aufgabe: Der Oberputz prägt das Erscheinungsbild der Wand und trägt maßgeblich zur Feuchteregulierung bei. Er schützt den Unterputz vor mechanischen Einflüssen. Je nach Zeitpunkt der Bearbeitung kann die Oberflächenstruktur unterschiedlich gestaltet werden. Grundsätzlich ist die Struktur feiner, je später der Putzmörtel abgerieben oder schwämmt wird.
Eigenschaften:
- Körnung: 0–2 mm für strukturierte Oberflächen
- Schichtdicke: 5–10 mm je Lage
- Anwendung: Er kann eingesetzt werden als ein- oder mehrlagiger Putz auf Mauerwerk, Holzfaserdämmplatten oder Schilfrohr. Durch den Strohanteil entsteht eine feine Struktur an der fertigen Oberfläche. In den meisten Fällen wird Lehm-Oberputz als Endputz belassen oder für den abschließenden Verputz mit Lehm-Edelputz eingesetzt.
Praxistipp:
Für eine Rillenstruktur an der Wand, den Oberputz kurz nach dem Auftragen, wenn der Lehm noch weich ist, mit einem großen Pinsel oder Quast bearbeiten. Wenn man eine stark verdichtete, strukturarme Oberfläche haben möchte, sollte man den Lehm sobald er lederhart ist mit einem Reibebrett aus Holz oder Plastik bearbeiten.
3. Lehm-Feinputz: Die perfekte Oberfläche
Aufgabe: Der Feinputz ist die letzte Schicht und verleiht der Wand ihren finalen Look. Aufgrund seiner Kornzusammensetzung werden mit Lehm-Feinputz ausgesprochen feine Oberflächen erzielt, die meist nur noch gestrichen werden.
Eigenschaften:
- Körnung: Sehr fein (0–0,5 mm)
- Schichtdicke: 2–3 mm.
- Anwendung: Der Lehm-Feinputz ist für ebene Untergründe, z.B. Lehmputzoberflächen oder Lehmbauplatten geeignet. Er kann geglättet, gestrichen, poliert oder mit Schablonen strukturiert werden. Mit Lehm-Feinputz kann eine streichfertige Oberfläche in geglätteter oder geschwämmter Struktur erstellt werden.
Praxistipp:
- Vor dem Auftragen des Feinputzes den Oberputz leicht anfeuchten, um Risse zu vermeiden. Für eine besonders glatte Oberfläche den Lehm-Feinputz mit einer Japan-Kelle bearbeiten.
Lehmputzsysteme im Vergleich: Worauf Sie bei der Auswahl achten sollten
Nicht jedes Lehmputz-System ist gleich. Bei der Auswahl sollten Sie folgende Kriterien berücksichtigen
1. Vollständigkeit des Systems
Ein gutes Lehmputz-System sollte alle Schichten abdecken – von der Grundierung bis zum Feinputz. Das hat mehrere Vorteile:
- Optimale Haftung: Die Schichten sind aufeinander abgestimmt und garantieren eine lange Haltbarkeit.
- Einfache Planung: Sie müssen nicht verschiedene Hersteller kombinieren, was Zeit und Kosten spart.
- DIN-konforme Qualität: Achten Sie auf Produkte, die nach DIN 18947 zertifiziert sind. conluto war einer der ersten Hersteller, der diese Norm für seine Lehmputze bereits 2013 umgesetzt hat.
conluto bietet beispielsweise ein vollständiges Lehmputz-System an, welches alle Schichten abdeckt:
- Lehm-Grundierung für die Vorbereitung des Untergrunds,
- Lehm-Unterputz für die Stabilisierung,
- Lehm-Oberputz für die Gestaltung,
- Lehm-Feinputz für die finale Oberfläche.
2. Nachhaltigkeit und Inhaltsstoffe
Lehmputz ist nicht automatisch nachhaltig. Achten Sie auf folgende Punkte:
- Keine künstlichen Zusatzstoffe: Vermeiden Sie Produkte mit Acrylaten, Topfkonservierern oder Weichmachern. conluto verzichtet vollständig auf solche Zusätze.
- Regionale Rohstoffe: Kurze Transportwege reduzieren die CO₂-Bilanz. conluto setzt auf regional gewonnene Lehme und Zuschlagstoffe.
- Recyclingfähigkeit: Lehmputz sollte sich am Ende seiner Lebensdauer einfach wiederverwenden lassen.
- Energieeffiziente Herstellung: Die Produktion von Lehmputz benötigt deutlich weniger Energie als die von Zement oder Gips.
- Langlebigkeit: Durch seine natürliche Beständigkeit muss Lehmputz seltener erneuert werden als andere Baustoffe.
CO₂-Bilanz im Vergleich:
| Baustoff | CO₂-Emissionen (kg CO₂/m²) | Quelle |
|---|---|---|
| Lehmputz (conluto) | 0,5 - 1,0 | conluto Ökobilanz (https://www.conluto.de/oekologisch-bauen) |
| Zementputz | 10 - 15 | ÖKOBAUDAT (https://oekobaudat.de) |
| Gipsputz | 3 - 5 | ÖKOBAUDAT (https://oekobaudat.de) |
3. Verarbeitungsfreundlichkeit
Lehmputz sollte nicht nur ökologisch, sondern auch praktisch sein. Achten Sie auf:
- Pulver-Trockenmischungen: Diese lassen sich einfach mit Wasser anrühren und sind länger lagerfähig als fertige Pasten.
- Trocknungszeiten: conluto-Lehmputze trocknen in 3–5 Tagen (bei 20 °C und 50 % Luftfeuchtigkeit).
- Verarbeitungshilfen: conluto bietet Video-Tutorials und einen Verbrauchsrechner an, die die Planung erleichtern.
Verarbeitungstipps für optimale Ergebnisse:
- Temperatur und Luftfeuchtigkeit: Ideal sind 15–25 °C und 40–60 % Luftfeuchtigkeit. Bei niedrigeren Temperaturen verlängert sich die Trocknungszeit.
- Untergrundvorbereitung: Der Untergrund muss sauber, trocken und tragfähig sein. Bei stark saugenden Untergründen eine Lehm-Grundierung auftragen.
- Schichtdicken einhalten: Zu dicke Schichten können reißen. conluto empfiehlt:
- Lehm-Unterputz: 5–30 mm,
- Lehm-Oberputz: 5–10 mm,
- Lehm-Feinputz: 2–3 mm.
Für wen eignet sich Lehmputz? Zielgruppen im Fokus
Lehmputz ist vielseitig einsetzbar – aber nicht für jedes Projekt gleich gut geeignet. Hier ein Überblick, für wen sich Lehmputz-Systeme besonders lohnen:
1. Architekten und Planer
- Vorteile: Lehmputz ermöglicht nachhaltige, gesunde und ästhetisch ansprechende Gebäude. conluto bietet Planungshilfen und technische Beratung.
- Einsatzbereiche: Wohngebäude, Bürogebäude, Schulen, Kindergärten, Denkmalsanierung.
2. Handwerker und Fachbetriebe
- Vorteile: Lehmputz ist einfach zu verarbeiten und bietet hohe Gestaltungsfreiheit. conluto bietet Schulungen und Verarbeitungshilfen an.
- Einsatzbereiche: Sanierung von Altbauten, Neubau, Trockenbau, Fachwerkhäuser.
- Tipp: Nutzen Sie den Verbrauchsrechner, um Materialkosten präzise zu kalkulieren.
3. Selbermacher und Bauherren
- Vorteile: Lehmputz ist auch für Laien gut verarbeitbar. conluto bietet Anleitungen und Video-Tutorials für die eigene Verarbeitung.
- Einsatzbereiche: Eigenheim, Innenausbau, Renovierung.
Tipp: Beginnen Sie mit kleinen Flächen (z. B. einer Akzentwand), um sich mit der Verarbeitung vertraut zu machen.
Lehmputz-Systeme – eine Investition in Gesundheit und Nachhaltigkeit
Lehmputz ist mehr als nur ein Baustoff – er ist eine Entscheidung für gesundes Wohnen, Nachhaltigkeit und gestalterische Freiheit. Doch seine Vorteile kommen nur dann voll zur Geltung, wenn die verschiedenen Schichten optimal aufeinander abgestimmt sind.
Ein gutes Lehmputz-System sollte: ✅Alle Schichten abdecken – von der Grundierung bis zum Feinputz, ✅Nachhaltig und schadstofffrei sein – ohne künstliche Zusatzstoffe, ✅ Einfach zu verarbeiten sein – mit klaren Anleitungen und Hilfsmitteln, ✅Gestalterische Freiheit bieten – mit natürlichen Farben und Strukturen.
conluto bietet hier ein vollständiges, DIN-konformes Lehmputz-System, das diese Anforderungen erfüllt. Ob für Architekten, Handwerker oder Selbermacher – mit den richtigen Produkten und etwas Know-how lassen sich mit Lehmputz beeindruckende Ergebnisse erzielen.
Sie möchten mehr über Lehmputz-Systeme erfahren?
- Schauen Sie sich unser Arbeitsblatt Lehmputz an.
- Oder kontaktieren Sie uns direkt für eine individuelle Beratung– wir helfen Ihnen, das passende Lehmputz-System für Ihr Projekt zu finden.
„Zukunft wird aus Lehm gemacht.“ – conluto.




