Bildquelle: Bauherr: Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL); LWL-Bau- und Liegenschaftsbetrieb (LWL-BLB) | Entwurfsverfasser: ACMS Architekten GmbH | Nutzer: LWL-Freilichtmuseum Detmold; Westfälisches Landesmuseum für Alltagskultur

 

 

Tragende Stampflehmwand im LWL-Freilichtmuseum Detmold

Architektonische Eleganz mit ökologischer Verantwortung

Beim Neubau des Eingangs- und Ausstellungsgebäudes im LWL-Freilichtmuseum Detmold spielen 140 Meter lange und bis zu 9 Meter hohe Stampflehmwände im wahrsten Sinne des Wortes eine tragende Rolle. Mittlerweile zählen diese Wände zu den beeindruckendsten Stampflehm-Konstruktionen in Deutschland. Sie sind ein architektonisches Highlight und verkörpern zugleich die Vision eines zukunftsweisenden, ökologischen Bauens.

Credits

Bauherr 
Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) 
Architekt/Planer 
ACMS Architekten GmbH, Wuppertal 
Handwerker 
Lehm Ton Erde Baukunst GmbH, Schlins, Österreich
Hersteller Stampflehm 
conluto Vielfalt aus Lehm, Blomberg

Tragende Konstruktion und Materialwahl

Die Stampflehmwände dienen als tragende Elemente des neuen Eingangsgebäudes und übernehmen vertikale Lasten, einschließlich der Dachkonstruktion. Die Wandstärke von 60 Zentimetern war notwendig, um die strukturelle Stabilität zu gewährleisten und gleichzeitig als Aussteifungselement zu fungieren.

Durch die Verwendung von regional abgebautem Lehm konnte ein großer ökologischer Vorteil realisiert werden, da Transportwege minimiert und lokale Ressourcen sinnvoll eingesetzt wurden. Etwa 1.400 Tonnen Lehm hat conluto seit Baubeginn des Fundaments im April 2023 zu Stampflehm aufgearbeitet und zur Baustelle nach Detmold geliefert.

Warum sich der Landschaftsverband Westfalen-Lippe für den Baustoff Lehm entschieden hat, liegt auf der Hand. Das LWL-Freilichtmuseum Detmold veranschaulicht die Baugeschichte und das Leben ganz Westfalen-Lippe und da gehörte Lehm als Baustoff schon immer dazu – gerade in den ländlichen Regionen. 

Brandschutz und Zertifizierung

Besonders herausfordernd war der Brandschutzaspekt der Stampflehmkonstruktion. Gemäß der für bauaufsichtliche Anforderungen und Feuerwiderstandsklassen DIN EN 13501 für tragende Bauteile ist ein Feuerwiderstand von 30 Minuten gefordert (REI 30 = feuerhemmend). In eigens durchgeführten Brandversuchen an der MFPA (Materialforschung und Prüfungsanstalt für das Bauwesen) Leipzig konnte jedoch ein Feuerwiderstand von über 90 Minuten nachgewiesen werden (REI 90 = feuerbeständig/tragende und aussteifende Teile nicht brennbar).

Letztlich war die Wand so belastbar, dass sogar noch der Nachweis für die Ausführung in der Bauart als Brandwand erbracht wurde. Diese Tests unterstreichen einmal mehr die Sicherheit und Robustheit des Materials und tragen zur weiteren Akzeptanz von Lehm als tragendem Baustoff in modernen Bauvorhaben bei. 

Ökologische und bauphysikalische Vorteile

Die Stampflehmwände sind nicht nur tragende Bauelemente, sondern erfüllen auch wichtige bauphysikalische Funktionen. Dank der hohen thermischen Masse des Lehms trägt die Wand zur Regulierung des Raumklimas bei und fungiert als natürlicher Klimapuffer. Dies reduziert den Bedarf an zusätzlichen Heiz- oder Kühlsystemen und steigert somit die Energieeffizienz des Gebäudes. Ein professionelles Raumklimamonitoring soll in den kommenden Jahren die Leistungsfähigkeit des Lehms belegen.

Gerade was das Thema Raumklima und Lehm betrifft konnte conluto Erfahrungen aus anderen öffentlichen Gebäuden einbringen, u. a. das Projekt Vorarlberg Museum Bregenz. Dieses Museum wurde im Jahr 2013 aufwendig renoviert und der dort aufgetragene Lehmputz dient ebenfalls als natürlicher Klimapuffer. 

Innovatives Leuchtturmprojekt

Das neue Eingangs- und Ausstellungsgebäude des LWL-Freilichtmuseums in Detmold ist ein Paradebeispiel für nachhaltiges Bauen mit zukunftweisenden Technologien. 

„Wir haben uns bewusst für den Baustoff Lehm entschieden. Er ist CO2-arm in der Produktion, kommt aus der Region und hat damit kurze Transportwege, und er schafft ein hervorragendes Raumklima, das den hohen Anforderungen an ein Ausstellungsgebäude mit empfindlichen Objekten genügt“, erklärt Dr. Marie-Luisa Allemeyer, Direktorin des LWL-Freilichtmuseums Detmold.

Denn mit der Eröffnung des neuen knapp 3.100 Quadratmeter umfassenden Gebäudes wird das Museum das Ausstellungsgebäude ganzjährig öffnen können, während das Freilichtgelände weiterhin nur zwischen April und Oktober geöffnet haben wird. Neben einem 900 Quadratmeter großen Ausstellungsraum beherbergt der Bau auch ein zentrales Foyer, einen Museumsshop, ein Museumscafé, drei Räume für museumspädagogische Angebote sowie Technikräume. 

Es bietet sowohl Platz für Kulturveranstaltungen als auch für empfindliche Ausstellungsstücke aus der über 300.000 Objekten umfassenden Sammlung des Museums, die den Besuchern bisher nicht gezeigt werden konnten. 

„Mit der hochwertigen und einfühlsamen Architektur hat der LWL in Detmold ein Leuchtturmprojekt für das zukünftige Bauen mit nachhaltigen Baustoffen gesetzt. Im Rahmen unserer Projektsteuerung konnten wir als LWL-BLB neue Erfahrungen sammeln und durch die Prüfungen im Einzelfall, wie z. B. das Brandverhalten des Baustoffes Lehm, Grundlagen für die Planung der Allgemeinheit zur Verfügung stellen“, ergänzt Matthias Gundler Architekt und Betriebsleiter des LWL-Bau- und Liegenschaftsbetriebs.

Gedämmt wurde mit gepressten Strohballen. Die Vollholzlamellenträger mit einer Spannweite bis zu 13 Meter sind leim- und stahlfrei verbunden. Ganz auf Beton konnte man jedoch nicht verzichten, aber dieser wurde nach einer neuen ressourcenärmeren Rezeptur hergestellt, welche das Ergebnis eines Forschungsprojekts war. Dennoch plante man pragmatisch. Holz und Lehm wurden nur dort eingesetzt, wo es wirklich Sinn macht – der Lehm nur dort, wo er witterungsgeschützt ist.

Die Stampflehmkonstruktion steht sinnbildlich für den ressourcenschonenden Umgang mit natürlichen Materialien und zeigt, dass traditionelle Baustoffe auch in zeitgenössischen, anspruchsvollen Bauprojekten eine zentrale Rolle spielen können.

Nicht zuletzt deshalb hat der Landschaftsverband Westfalen-Lippe die Platin-Auszeichnung vom DGNB für das neue Eingangsgebäude erhalten, welches die höchste Zertifizierung für Baustellen ist, die ökologische Nachhaltigkeit im Hinblick auf Materialeinsatz, Ressourcenschonung, Transport, die Vermeidung von Schadstoffen, die Wahrung der Biodiversität sowie soziale Verantwortung auf Baustellen bewertet. 

Das neue Eingangsgebäude des LWL-Freilichtmuseum Detmold wird als öffentliches Gebäude ein Anschauungsobjekt für zukünftiges Bauen werden und trägt das Prinzip der Nachhaltigkeit hiermit in eine breite Öffentlichkeit.

 

 

Verfasser: conluto 

Kontakt für Rückfragen: 
conluto Vielfalt aus Lehm
Detmolder Straße 61 – 65
32825 Blomberg
www.conluto.de

Ansprechpartnerin: 
Silvia Schäfers (Marketing)
E-Mail: s.schaefers@conluto.de
Mobil: 0151-22812090